Forschungsprojekt im Rahmen des Heisenberg-Programms der DFG >> english version
Home
Vita
Aktuelles
Heisenberg-Projekt
Outline
Internat. Konferenz
Intermediale
Szenographie
Publikationen
Vorträge
Lehre
Veranstaltungen
Projekte
Kontakt
Links
Impressum
»Szenographie: Episteme und ästhetische Produktivität in den Künsten der Gegenwart«
Konzeption des Forschungsprojekts (Outline)
Themenstellung der geplanten Konferenz »The Art of Scenography: Epistemes and Aesthetics« (WS 2016/17)
Konzeption des Forschungsprojekts (Outline)
Szenographie tritt - als Raum-Inszenierung und Raum-Produktion - im zeitgenössischen Theater sowie darüberhinaus in anderen Künsten und auch Alltagskontexten vielgestaltig auf: Das Spektrum reicht heute von Bühnenbild bzw. Theaterszenographie, Performance Design und ›Environmental Scenography‹ über Museums- und Ausstellungsszenographie sowie Film- und Medienszenographie bis hin zu ›Urban Scenography‹, Spatial Design und zu Szenographien kommerziell orientierter Events. Zeitgenössische Szenographie, so die Ausgangsthese des Projekts, ist insofern in den Blick zu nehmen als ein Interart-Phänomen, das seine generativen Formen, Parameter und Gestaltungen auf verschiedenen Feldern entfaltet; nicht zuletzt im Zuge der sich abzeichnenden Mediatisierung fast aller Lebensbereiche sind ihre Spielarten inzwischen weit reichend und haben eine kulturelle Relevanz gewonnen, die der wissenschaftlichen Diskussion und Analyse bedarf.
Prämissen, Stand der Forschung, Zielsetzung des Projekts
Das Projekt nimmt ›Bühnenbild‹ und ›Szenographie‹ als Kunstpraxis in den Blick und fragt nach ihrem Stellenwert, ihren Erscheinungsformen und nach Ansätzen, die Bühnenbild und Szenographie als tendenziell autonome Kunstform verstehen: dies sowohl innerhalb der kollaborativen Kunstform Theater (vgl. das bsp.weise von Bert Neumann mehrfach geäußerte Postulat, auch am Theater nicht wie ein der Regie subordinierter ›Ausstatter‹, sondern vielmehr wie ein ›bildender Künstler‹ zu arbeiten). Mit diesen Neubetrachtungen des Szenographischen soll nach zu beobachtenden ästhetiken gefragt werden sowie darüberhinaus insbesondere auch nach dem, was, mit Patrice Pavis, als ›szenographisches Wissen‹ bezeichnet werden kann: gemäß Pavis ist Szenographie eine Kunst und kann zugleich als eine »Wissenschaft von der Organisation der Bühne und des Bühnenraums« definiert werden (Pavis 2007: 969); in diesem Sinne operiert sie, so Pavis, gar als ein »Dispositiv« (ders. 1996: 315), welches Wissensinhalte (v.a. ein sich veränderndes Wissen über den Raum), institutionelle Regeln, raumbildende Praktiken, (Kultur-)Techniken sowie Medien in sich verbindet und dieses Wissen immer wieder auch revidiert. Szenographie muss demnach als ästhetischer Diskurs und, im Sinne Foucaults (1970), zudem auch als Teil einer ›Geschichte der Denksysteme‹ analysiert werden. Als Forschungsgegenstand fällt Szenographie, gemäß ihrer Historie und Tradition, vor allem in den Grenzbereich zwischen Theater- und Kunstwissenschaft, wurde allerdings dort lange wenig beachtet. So fokussiert die theaterwissenschaftliche Analyse, aufführungsbezogen, v.a. die handelnden Darsteller, Sänger, Tänzer, Performer bzw. die ›Feedbackschleife‹ zwischen ihnen und dem Publikum (Fischer-Lichte 2004). Auch seitens der benachbarten Kunstwissenschaften ist die Erforschung der ästhetik sowie der Episteme des Szenographischen, über vorliegende Ansätze hinaus (vgl. Bohn/Wilharm 2009 u.a.), noch zu leisten, denn als ›angewandte‹, ereignisbezogene Kunst, als welche Szenographie auftritt, steht sie ebenfalls dort nicht im Fokus. Das Vorhaben geht demgegenüber von einem Perspektivwechsel aus: Aufgegriffen werden soll die - von Künstlern wie Bert Neumann oder Katrin Brack oder, wieder anders, Heiner Goebbels zunächst v.a. im Theaterkontext gestellte (und genau besehen schon seit der Moderne virulente) - Forderung, den szenographierten Raum, die Elemente der Bühne, ihre Medien und zum Auftritt kommenden Objekte nicht als Ausstattung oder gar nur Hintergrund und Dekor zu verstehen, sondern sie ebenfalls als ›Mitspieler‹, ›Co-‹ bzw. ›Counter-Player‹ zu begreifen (vgl. Goebbels 2012, Brückner 2010). Mit anderen Worten: Szenographie realisiert sich dieser Auffassung nach nicht in (abbildenden, statisch gedachten) ›Bühnenbildern‹, sondern vielmehr gemäß einem konzeptionellen Denken, das Medien, szenographische Objekte und Handlungsoptionen konfiguriert, um sie in ästhetischen Prozessen und performativen, meist plurimedialen Ereignissen zu ›orchestrieren‹ (vgl. McKinney/Butterworth, 2009, 7). Diese Perspektive hat zur Folge, dass auf der Ebene von Aufführung bzw. Ereignis die Präsenz von Medien, Dingen und (menschlichen) Performern - bzw. mit Bruno Latour gesprochen, von humanen und nicht-humanen Akteuren (vgl. ders. 1995, 2007, 2010) - im Sinne einer symmetrischen Relation zu betrachten wäre, und entsprechend wären - auf der Ebene von Entwurf, Projektentwicklung und Probe - auch szenographischer Entwurf und Choreographie-/Bewegungskonzeption als ineinander verwobene, interdependente Konzepte in den Blick zu nehmen. In der Forschung bestehen hier - gerade in der Theaterwissenschaft, aus oben genannten Gründen - erhebliche Lücken, die Fragen der Wahrnehmung und Rezeptionsästhetik sowie auch Fragen der Produktionsästhetik betreffen, wobei letztere - mit einer so gewendeten, prozessorientierten Auffassung von Szenographie - jedoch besondere Beachtung verdienen. Diese Forschungsdesiderate greift das Projekt auf, insbesondere auch mit der Durchführung einer Konferenz, die, unter den skizzierten Prämissen, erstmals bisher noch kaum berücksichtigte produktionsästhetische Aspekte des Szenographischen in den Mittelpunkt stellt.

>> Konzeption der Konferenz

Konzeption und Leitung: Birgit Wiens

         
www.theaterwissenschaft.uni-muenchen.de
 
 
»Scenography: epistemes and aesthetic productivity in contemporary arts« - research project approach (summary)
As a mise-en-scene and production of space, scenography appears in contemporary theatre - including other arts as well as everyday contexts - in many guises. Its spectrum ranges from stage design and theatre scenography, performance design and ›environmental scenography‹ through museum and exhibition scenography, film and media scenography to ›urban scenography‹, spatial design and the scenography of commercially orientated events. According to the thematic starting point of this project, contemporary scenography must in this regard be seen as an interdisciplinary arts phenomenon that develops its generative forms, parameters and manifestations in various fields; not least because, as a result of the increasingly apparent, pervasive influence of the media in almost all parts of life, its varieties have since become far-reaching and have gained a cultural relevance that requires academic discussion and analysis.
Premises, status of the research, project goal
The project focuses on ›stage design‹ and ›scenography‹ as an artistic practice and examines their significance, the ways in which they manifest themselves and approaches that comprehend stage design and scenography as a generally autonomous art form - both within the collaborative art form of theatre (cf. for example Bert Neumann's frequently expressed postulate that, even at the theatre, he doesn't act as an »outfitter« subordinate to the director but rather as a ›visual artist‹). Using these new observations, observable aesthetics should be examined, as well as that which, in the words of Patrice Pavis, can be described as ›scenographic knowledge‹. According to Pavis, scenography is an art that can simultaneously be defined as a »science of the organisation of the stage and stage area« (Pavis 2007: 969). In this way, Pavis states, it operates as an ›apparatus‹ (dispositif) (id. 1996: 315) that absorbs and binds with knowledge (especially a changing knowledge of space), institutional rules, space-creating practices, (cultural) techniques and media, while continually revising this knowledge. Scenography must therefore be analysed as an aesthetic discourse and, according to Foucault (1970), also as an element of a »history of thought systems«.
As a research topic, scenography, in accordance with its history and tradition, largely straddles the border between theatre and art studies; however, in academic discourse, it has long been relatively ignored. Therefore, an analysis under the auspices of theatre studies, related to performance, focuses primarily on the actors, singers, dancers and performers involved as well as the »feedback loop« between them and the audience (Fischer-Lichte 2004). In addition, with regard to arts studies, the examination of aesthetics as well as epistemes of scenography beyond existing approaches (cf. Bohn/Wilharm 2009, for example) has yet to be achieved, because, as an ›applied‹ art dependent on events (which is how scenography manifests itself) it also has yet to examined. In contrast, this project operates on the assumption of a change in perspective: It will take up on the challenge (set by artists such as Bert Neumann or Katrin Brack or, in a different way, by Heiner Goebbels) to understand scenographic space, the elements of the stage, its media and the objects that appear there not as fittings or even only as background and décor, but also as equal ›actors‹, ›co-players‹ or ›counter-players‹ (cf. Goebbels 2012, Brueckner 2010). In other words, scenography manifests itself according to this definition not in ›stage sets‹ (representational, intended as static), but rather according to conceptual thinking that configures media, scenographic objects and acting options in order to »orchestrate« them in in aesthetic processes and performative, usually multimedia events (cf. McKinney/Butterworth, 2009, 7). The consequence of this perspective is that, on the level of performance or events, the presence of media, things and (human) performers - or, in the words of Bruno Latour, by human and non-human actors (cf. id. 1995, 2007, 2010) - should be regarded within the context of a symmetrical relation. Accordingly - on the level of design, project development and rehearsal - scenographic drafting and choreography/movement design should be seen as interwoven, interdependent concepts. In research, substantial gaps exist here - particularly in theatre studies, for the reasons mentioned above - that impinge on questions of sensory perception and aesthetic response as well as questions regarding the aesthetics of production, with the latter - according to a concept of scenography used in this process-orientated way - nevertheless deserving particular attention. This project takes on the challenge of this dearth in research, particularly by organising a conference that will, according to the premises outlined here, place the issues of the production aesthetics of scenography at centre stage for the first time.

>> Conception of the conference

Director/initiator: Birgit Wiens